logo vocalino

       

2001






Abendkonzert mit dem A-cappella-Chor Vocalino

20 Sängerinnen und Sänger gefielen mit Gesang aus Barock und der Neuzeit
Am Samstag trat in der reformierten Kirche Wollerau der A-cappella-Chor Vocalino auf. Geistlicher Chorgesang mit Kompositionen von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und als zeitgenössische Vertreter Werke des Esten Arvo Pärt und des Schweizers Willy Burkhard waren Inhalt des Auftrittes. Im zweiten Teil gelangten ausgesuchte Chorwerke Felix Mendelssohns zur Aufführung.

VON KARL HÜRLIMANN


Über 150 Konzertbesucherinnen und - besucher folgten der Einladung der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Höfe zum Konzert in der Kirche Wollerau. Der Abend begann mit der von Christian Scheifele auf dem Cembalo gespielten Toccata des Komponisten Matthias Weckmann (1621 - 1674). Die silbrig hellen Töne des Tasteninstrumentes stimmten ausgezeichnet auf das vom Chordirigenten Felix Schudel mit kurzen Worten vorgestellte Stück von Heinrich Schütz (1585-1672) ein. Das in italienischer Sprache vorgetragene Madrigal Nr. 7 «Ride la primavera» besingt die Angebetene im Frühjahr und endet mit der Frage «Warum trägst du in den Augen die Sonne, im Antlitz den April?» Mit der Motette «Lobet den Herrn ...», einer Perle der Chormusik, wurde Johann S. Bach gehuldigt.

Zwei Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Der estnische Komponist Arvo Pärt lieferte mit dem 1989 komponierten "Magnifikat" die Musik für einen vortrag, den Felix Schudel wie folgt umschreibt: "Arvo Pärt setzt dem Lärm der heutigen Zeit die Einfachheit des Dreiklangs entgegen, die besticht." Der Chorgesang bannte die Konzertbesucher. Die geistliche Musik nimmt in Arvo Pärts Werken eine zentrale Stellung ein.

Gespielt von Christian Scheifele folgte als instrumentale Zwischenmusik das Präludium und die Fuge in e-Moll für Orgel von Willy Burkhard. Dieser Schweizer Komponist, der von 1900 bis 1955 lebte und als grosser Förderer der Orgelmusik bezeichnet werden muss, schuf auch Psalmvertonungen, von denen im Samstagabendkonzert drei aufgeführt wurden. Der erste Gesang war -"Wie lieblich sind deine Wohnungen". Im zweiten Gesang "Herr, wie lange willst du mein so gar vergesssen?" ruft der Chor nach Erhörung, um dann leise und demütig zu fragen: "Ich hoffe aber darauf, dass du so gerne hilfst", um dann schlussendlich in dem bescheidenen Bekenntnis zu enden: «Ich will dem Herrn singen ...». Der dritte Gesang, eine Vertonung des Psalms 121: «Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchem Hilfe kommt" lässt demütig die höhere Macht der Schöpfung erkennen. Grosser Beifall der Konzertbesucher verdankte den ersten Konzertteil.


Mendelssohn - der Romantiker und Stimmungsmacher

Dirigent Felix Schudel kam in seinen einführenden Worten zum zweiten Teil des Abends, der ausschliesslich Mendelssohn gewidmet war, auf dessen Wirken in früher Jugend zu sprechen. Mendelssohn hatte bereits als neunjähriger Knabe seinen ersten öffentlichen Auftritt als Pianist, und wenig später betätigte er sich als Komponist. Im weiteren haben wir es Felix Mendelssohn zu verdanken, dass es zur Wiederaufführung der Matthäus-Passion von J, S. Bach und überhaupt zur Wiederbelebung der Barockmusik gekommen war.

Es folgte dann das überzeugend freudig vorgetragene Lied: «Herr, wir traun auf Deine Güte ...». Der Text des folgenden, als «Neujahrslied» bekannten Chorliedes von Felix Mendelssohn stammt aus der Feder des oberrheinischen Dichters Johann Peter Hebel und gefiel besonders durch den lautmalerischen Vortrag. Mit dem Lied «Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren wie du verheissen hast» wurde auch die Äusserung bestätigt, dass sich Mendelssohn wie sein Vorbild J. S. Bach der Affektsprache bediente.

Es gelang dem Chor Vocalino hervorragend, mit dem Magnificat «Mein Herz erhebt Gott, den Herrn ...» den Lobgesang der Maria wiederzugeben. Die alternierende Vortragsweise gewann über Solo-, Frauen- und Männerstimmen an Klangfülle und war ein musikalischer Hochgenuss. Mit dem bekannten achtstimmigen Engelschor aus dem Oratorium «Elias» schloss das Konzert. Begeisterter Applaus der Konzertbesucher führte zur Zugabe eines Bach-Werkes: «Psallite Deo nostro».

Ein sehr schönes Konzert wurde von der einladenden Kirchgemeinde mit Blumen für den Dirigenten Felix Schudel und dem Cembalisten und Organis ten Christian Scheifele verdankt.

   

Vocalino: Stimmungsvoll vokale Ausdruckskraft

Wollerau: Der A-cappella-Chor Vocalino mit Werken zwischen Barock und Romantik in der reformierten Kirche

Auf Einladung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde und von Susanne Fischer im Speziellen, bereicherte der gemischte Vocalino-Chor unter der Leitung von Felix Schudel die exzellente Konzertreihe in der reformierten Kirche. Kirchenmusiker Christian Scheifele interpretierte an Cembalo und Orgel Werke des 16. bis 20. Jahrhunderts.

WOLFGANG WAGENKNECHT


Im Rahmen der klassischen Konzertreihe in der reformierten Kirche gastierte mit dem A-cappella-Chor Vocalino unter der Leitung von Felix Schudel eine brillante vokale Perle der Kirchenmusik in Wollerau. Der gemischte Vocalino-Chor wurde vor gut zehn Jahren gegründet. Die 22 Mitglieder sind meist im pädagogischen oder medizinischen Bereich
Sie pflegen mit unbegleiteter Chormusik ein breit gefächertes Repertoire von anspruchsvollen Werken aus 16. bis zum 20. Jahrhundert. Die vokale Spezialität des Vocalino-Chores sind Bach-Motetten und der unvergängliche Zauber der Romantik.

Barocke Toccata für Cembalo

In den exquisiten Konzertabend führte Kirchenmusiker Christian Scheifele mit der «Toccata für Cembalo» des Thüringer Komponisten und Organisten am Sankt Jacobi in Hamburg, Mattias Weckmann - Schüler des bekannten Leipziger Kirchenmusik-Schöpfers Heinrich Schütz. Christian Scheifele begeisterte am barocken Cembalo als instrumentaler Meister mit romantischen Interpretationen. Starke, vordergründige Männerstimmen und brillant-schillernde Frauenstimmen dann irn italienischen Madrigal «Ride la primavera» von Heinrich Schütz. Der kurfürstlich-sächsische Dresdner Hofkapellmeister erlangte auf Grund seines landgräflichen Venedig-Studiums grosse Arierkennung als Komponist von zahlreichen italienischen Madrigalen; Der Vocalino-Chor interpretierte dieses anspruchsvol1e Werk mit erhabener Vokalität.

Den ersten musikalischen Höhepunkt dieses besonderen Konzertabends bildete dje Motette "Lo bet den Herrn, alle Heiden" von Johann Sebastian Bach. Das anspruchsvolle Werk des deutschen Meisterkomponisten des 17. Jahrhunderts stellte mjt der schweren Satztechnik besonders hohe Anforderungen an den Vocalino-Chor wie auch an den begleitenden Organisten, Christian Scheifele. Die Aufführung dieses Werkes war geprägt durch schillemde Vokalität im Wechsel der Stimmlagen und ein abschliessendes, leuchtendes Halleluja.

Beruhigend estnische Tonalität

Ungewöhnlich, tonal beruhigend, dann das erst vor zwölf Jahren durch
den estnischen Komponisten Arvo Pärt geschaffene Magnificat, welches durch einfachste musikalische Mittel mit liegender Tonalität bestach. Prägend wirkten hier die tiefen Männer- Stimmen in estnischer, russisch-orthodoxer Vokalität. Der bedeutende Schweizer Komponist Wllly Burkhard liess in seinen Kompositionen die barocken Techniken neu aufleben,
schuf sich Anerkennung in Psalm-Vertonungen für Chöre. Passend in den stimmungsvollen sakralen Raum interpretierte Christian Scheifele das Präludium und Fuge in E für Orgel, würdig als Meister am Königsinstrument. Stimmungsvoll dann die drei Gesänge aus dem «Kleinen Psalter», wiedergegeben mit stimmungsvollen, wechselnden vokalen Dissonanzen durch die homogenen Stimmen des Vocalino-Chores.

Romantisch-geistliche Musik

Der zweite Teil des Konzertabends war dem bedeutenden deutschen Komponisten der Kirchenmusik, Fe1ix Mendelssohn-Bartholdy, gewidmet. Aufgeführt wurde ein fünfteiliges Werk des preussischen Generalmusikdirektors. Musikalisch faszinierend wirkten die lyrisch-romantischen Stilformen im geistlichen Lied «Herr; wir traun auf deine Güte».
Im «Präludium und Fuge in c-Moll für Orgel liess Christian Scheifele nochmals seine solistische Interpretationsstärke an der Orgel aufblitzen. Klanglicher Höhepunkt des Konzertabends bildete der achtstimmige: Engelschor aus dem Oratorium «Elias». Die Interpretation des wohl bedeutendsten kirchenmusikalischen Mendelssohn-Werkes brillierte besonders durch die stimmungsvolle Vokalität des grossartigen A-Cappella-Chores.

 

 

   
 
 

 
 
pfeilup